Einsatz eines neutralen Moderators

Einsatz eines neutralen Moderators oder Mediators

Da man Mediation als Verfahren nicht verordnen kann, weil es der Zustimmung aller Beteiligten bedarf, unterscheiden wir zwischen Konfliktmoderation und Mediation.

Konfliktparteien zusammen bringen

Nach Ingrid Holler beginnt das Konfliktlösungsverfahren bei der Einladung. Das Nichtwissen einer der Parteien, um die Mediation stellt einen Sonderfall dar, der entsprechende Handhabung benötigt.

Wenn eine Konfliktpartei noch nichts von einer Mediation wusste, liegt die Aufgabe der Zusammenführung nicht beim Mediator. Dieser soll die anwesende Partei aber Motivieren, diese Einladung auszusprechen.
Holler gibt den Mediatoren für dieses Vorgespräch eine 3 Schritte Vorgehensweise an die Hand:

  1. Empathische Klärung der Situation der anwesenden Partei (Einfühlsamkeit)
  2. Aufrichtiges Erläutern der Befindlichkeit des Mediators zu diesem Thema
  3. Passende Handlungsvorschläge des Mediators, um Konfliktbeteiligten zum Handeln zu motivieren.
    (Vgl. Holler 2015, Raus aus der Zwickmühle, Wer spricht die Konfliktpartei an, die noch nichts von der Mediation weiß?, in: Knapp 2016, Konfliktlösungs-Tools,, 4. Aufl., S. 42-45)


Aufgaben des Moderators

Wenn erstmal ein Moderator gebraucht wird, ist ein Konflikt nicht mehr zu leugnen. Peter Knapp 2016, Moderation von schwierigen Gesprächen, in: Deutsche Universitätszeitung 2016, S.81-82, identifiziert folgende Aufgaben des Moderators:

  1. Offenheit: Um den Spannungen, die zwischen den Konfliktparteien entstanden sind, auf den Grund zu gehen, sollte der Moderator für alle Beteiligten offen sein.
  2. Spiegeln: Hauptaufgabe des Moderators ist es, das Gesagte der Parteien in seinen Worten sachlich und sinngemäß wiederzugeben.
  3. Unterbrechen: Um die Effizienz und Struktur des Gesprächs aufrechtzuerhalten, muss der Moderator gegebenenfalls die Teilnehmer unterbrechen.
  4. Identifizieren: Emotionen, die die Beteiligten nicht explizit aussprechen, muss der Moderator benennen; beispielsweise: „Sie ärgern sich“ oder „Ihnen wäre wichtig, dass…“.
  5. Bestimmen: Hinter Vorwürfen stecken Bedürfnisse, die der Moderator erkennen und verbalisieren muss. Hier kann es helfen, das Gesagte positiv umzuformulieren.

Verständnis erzielen nach Peter Knapp

Nach Knapp kann man durch den Einsatz eines neutralen (internen oder externen) Moderators im Idealfall in drei Stufen zum gegenseitigen Verständnis kommen:

  • Den Sachverhalt verstehen
  • Die Emotionen identifizieren
  • Die dahinterliegenden Bedürfnisse deutlich machen.

(Vgl. Knapp 2016, Moderation von schwierigen Gesprächen, in: Deutsche Universitätszeitung 2016, S.83)


Mit Fragen das Denken verändern nach Christa Schäfer

Nach Dr. Christa Schäfer, Mediatorin (Mediationszentrum Berlin) gibt es verschiedene Fragetypen, die in der Konfliktbearbeitung eingebracht werden können (vgl. Schäfer 2016, Mit Fragen das Denken verändern, in: Knapp 2016, Konfliktlösungs-Tools, 4. Aufl., S. 162-169):
1. Lineare Fragen (W-Fragen – fördern das linear kausale Denken):
Offene Fragen lassen in die Tiefe gehen, weiter ausholen.
Geschlossene Fragen lassen sich nur mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten.
W-Fragen helfen beim Erschließen der Situation. Das „Warum“ ist mit Vorsicht zu gebrauchen.

2. Systemische Fragen (erweitern das Handlungs- und Denkspektrum des Befragten):
Lösungsorientierte Fragen gehen von Zeiten aus, in denen der Umgang mit dem Konflikt besser bzw. schlechter zu machen ist.
Problemorientierte Fragen führen auf konträrem Weg zum selben Ziel wie lösungsorientierte Fragen.
Fragen nach dem Verhalten und Erleben

3. Zirkuläre Fragen geben wichtige gedankliche Anregungen und Hinweise – leiten oft Wendepunkte ein. Das Erfragen von Beziehungen durch das Annehmen einer Außenperspektive:
Fragen nach Außenperspektiven werden an beide Konfliktpartner gestellt und Gemeinsamkeiten können das Gespräch voranbringen.
Fragen nach der Perspektive einer nicht im Konflikt beteiligten Person werden in Gruppen gestellt, um den Blickpunkt von außen zu bekommen.
Triadische Fragen dienen zur Erhebung von Möglichkeitskonstruktionen (Mutmaßungen).
Klassifikationsfragen zeigen Unterschiede in Sichtweisen und Beziehungen auf und bringen diese in Reihenfolge.
Übereinstimmungsfragen geben Hinweise, wer mit wem einer Meinung ist.

4. Skalenfragen dienen vor allem zur Erhebung von Stimmungen, Perspektiven und Positionen.
Das Tool ist insbesondere im Rahmen der Bestandsaufnahme oder der vertiefenden Bearbeitung von Themen- bzw. Konfliktfeldern sowie über den gesamten Moderationsverlauf hinweg zur Abfrage der Verfahrensmotivation und als Feedbackinstrument einsetzbar.
Beispiel: „Auf einer Skala von 0 bis 10, wobei 0 ‚überhaupt nicht‘ und 10 ‚vollkommen‘ bedeutet, wie weit vertrauen Sie gegenwärtig auf die  Konfliktlösungsbereitschaft der anderen beteiligten?“
(Vgl. Gläser 2016 Skalenfragen, in: Knapp 2016, Konfliktlösungs-Tools, 4. Aufl., S. 170-177; Ulla Gläser ist Professorin am Institut für Konfliktmanagement der Europa-Universität Viadrina Frankfurt-Oder).

Im Anschluss an die reine, zunächst unkommentierte Antworterhebung kann und sollte mit dem so entstandenen Stimmungs- oder Meinungsbild vertiefend weitergearbeitet werden.