Thema P3: Anwendungsorientierte Forschung durch mehr Grenzüberschreitungen

Das Wichtigste zuerst (Management Summary)

Ganz wichtig: Der Wissenschaftsrat hat in seinem Positionspapier, Anwendungsorientierung in der Forschung (Drs. 8289-20) vom 31.01.2020 klargestellt (S. 18):

Im Wissenschaftssystem wird Reputation jedoch primär durch publizierte Forschungsleistungen erworben. Anwendungsorientiert zu forschen, kann daher weniger reputationsfördernd sein. Da Reputation die entscheidende Währung im Wissenschaftssystem ist, liegt hier eine zentrale Herausforderung.

Der Wissenschaftsrat formuliert damit erstmals eine Art Selbstkritik, dass die Reputationslogiken der verschiedenen wissenschaftlichen Fachgebiete unter Umständen nicht mit dem Ziel Anwendungsorientierung vereinbar sind (ebenda S. 17).

Folgerichtig appelliert der Wissenschaftsrat an die Öffnung der Forschungsprozesse. Hochschulen und Forschungseinrichtungen sollten vermehrt Möglichkeiten für Austausch und Kooperation über Grenzen von Forschungsfeldern hinaus schaffen. Außerdem sollen kooperative Forschungsprozesse intensiviert werden.

Wenn Sie mehr wissen wollen

Als Beispiele für interdisziplinäre Kooperationsräume werden insbesondere folgende Initiativen zitiert (ebenda S. 25f.):

  • RWTH Aachen hat u.a. des Human Technology Center gegründet, sowie integrierte interdisziplinäre Institute, die der Erschließung neuer interdisziplinärer Forschungsfelder dienen
  • Co-Working-Spaces oder Experimentierräume, Beispiele sind das von Fraunhofer initiierte Enterprice-Lab.
  • Leistungszentren unter Integration von Exzellenzclustern, so initiierte Fraunhofer bereits 17 Leistungszentren
  • Inkubatoren, die von Unternehmen wie Bayer für Start-Ups bereitgestellt werden, z.B. das Co-Laborator in den Lebenswissenschaften oder auch Inkubatoren, die von Max-Planck zusammen mit anderen Partnern gegründet wurden, z.B. der IT-Inkubator in Saarbrücken (vgl. die SIC-Homepage)
  • Die BMBF-Inititative Forschungscampus – öffentliche-private Partnerschaft für Innovation
  • Öffnung der Forschungsprozesse für zivilgesellschaftliche Akteure, so beispielsweise in Form von Citizen-Science-Vorhaben oder Reallaboren.

Kritik

So begrüßenswert der wegweisende Text des Wissenschaftsrats insgesamt ist; eine wesentliche Form der Öffnung der Forschungsprozesse erwähnt der Wissenschaftsrat leider nicht – obwohl sie nach meiner Einschätzung doch besonders vielversprechend wäre: wenn die Hochschulen und Forschungseinrichtungen einer Region noch stärker interdisziplinär wie Institionen übergreifend zusammenarbeiten würden (vgl. unsere Vorschläge aus 2016).

Vorbildlich ist vielleicht das vom Wissenschaftsrat erwähnte Inkubatoren-Modell, das wir am Beispiel des Saarland Informatics Campus abbilden.

 

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