Heiße Konflikte

Heiße Konflikte

Glasl zufolge zeichnen sich bei „heißen“ Konflikten, im Vergleich zu den kalten Konflikten, die Parteien durch eine Begeisterung für ihre eigene Sache aus, von der sie die Gegenseite überzeugen wollen. Sie haben daher – zumindest Anfangs – kein negatives Bild ihres Gegenübers und verhalten sich zu diesem äußerst kommunikativ. (vgl. Glasl 2004, Konfliktmanagement. Ein Handbuch für Führungkräfte, Beraterinnen und Berater, 8. Aufl., S.125).

Aber Heiße Konflikte kochen schnell hoch. Wenn man von außen auf einen Streit, eine Auseinandersetzung oder eine Diskussion sieht, welche die Emotionen hochkochen lässt. Wenn es den Konfliktparteien so wichtig ist, ihren Standpunkt durchzusetzen oder auf der eigenen Meinung zu verharren, dass die Selbstbeherrschung, die Objektivität oder der Team Zusammenhalt darunter leiden könnten, dann sieht man auf einen heißen Konflikt.

Nach Schwertfeger/ Bähner 2016, Arktis oder Sahara? Die Konflikttemperatur systematisch analysieren in: Knapp 2016, Konfliktlösungs-Tools, 4. Aufl., S. 28-33, sind heiße Konflikte durch folgende Merkmale geprägt:

  • Aktivitäten der Konfliktpartei sind für Beteiligte und Außenstehende sichtbar.
  • Gefühle wie Wut, Aggression, Euphorie, Faszination und Kampfgeist herrschen vor.
  • Bedürfnisse nach Nähe, Beziehung, Solidarität und Unterstützung prägen das Denken.
  • Konsequenz: Emotionen sollen erlebt, aber bearbeitbar gemacht werden; Methoden zur Verlangsamung, zum Distanz schaffen und die Struktur geben machen den Konflikt bearbeitbar.

Nach Schwertfeger 2015, Spielzeugwelt, Konfliktparteien in einem heißen Konflikt beruhigen, in: Knapp 2016, Konfliktlösungs-Tools, 4. Aufl., S. 99-103, kann folgender Hinweis gegeben werden:

Konfliktparteien in einem heißen Konflikt beruhigen, ist meist ein anspruchsvolles Unterfangen. Hilfe dazu geben einzelne Tools zur Erhellung der Sichtweisen, mit dem Ziel, die Betriebstemperatur der Konfliktparteien in einem heißen Konflikt auf ein bearbeitbares Niveau abzusenken.

Hierzu hat Schwertfeger die Methode „Spielzeugwelt“ entwickelt. Als Ziel der Methode steht die Wiederherstellung des Sicherheitsgefühls und damit die Arbeitsfähigkeit der Konfliktparteien im Vordergrund. Erst wenn sich die Konfliktparteien nicht mehr ihren Stresssymptomen ausgeliefert fühlen, sind sie wieder für neue Wahrnehmungen, Deutungen, gar einen Perspektivwechsel offen. „Unerträgliche“ Situationen können mit dieser Veranschaulichung wieder „erträglich“ werden.

Bei der „Spielzeugwelt“ werden die Konfliktparteien nacheinander aufgefordert, mit Spielfiguren ihre akute Konfliktsituation darzustellen, um dem Gegenüber zu zeigen, wie sie den Konflikt momentan wahrnehmen. Da die aufgeforderte Konfliktpartei sowohl auf dem Spielfeld, als auch über der Situation steht, ergibt sich eine gewisse Distanz zwischen den persönlichen Emotionen und der gesamten Situation.

Distanzschaffende Methoden sind geeignet, die Emotionen einzubinden und sichtbar, aber auch bearbeitbar zu machen. Die Arbeit mit dissoziierenden Methoden löst aus der starken Involvierung und Ich-Bezogenheit und erlaubt die Wahrnehmung des Gegenübers. (Vgl. Schwertfeger/ Bähner 2016, Arktis oder Sahara? Die Konflikttemperatur systematisch analysieren in: Knapp 2016, Konfliktlösungs-Tools, 4. Aufl., S. 28-33)

Weil heiße Konflikte die Gefahr einer erneuten Entflammung mit sich bringen, wurden verschiedene Tools entwickelt um prophylaktisch zu wirken.
In Kirsten Schroeters „Was geht als Erstes schief?“ wird die Endvereinbarung über den Weg der möglicherweise auftretenden Probleme überprüft und gefestigt.

Die erarbeiteten Maßnahmen zum Umgang mit den Schwachstellen der bisher gefundenen Lösung fließen in die Formulierung der endgültigen Vereinbarung am Ende der Konfliktlösung ein.

(Vgl. Schroeter 2015, Was geht als Erstes schief?, in: Knapp 2016, Konfliktlösungs-Tools, 4. Aufl., S. 339-344)