SF Wissenschaftliches Konzept

Wissenschaftliche Konzeption

Forschungsinstitut Demokratie leben (FIDES e.V.) als Initiative von engagierten Bürgern, um gesellschaftliche Probleme überparteilich, aber lösungsorientiert zu erforschen

Die Satzung des Forschungsinstitut Demokratie leben, Saarbrücken (FIDES e.V.) legt fest: Als Ausgangspunkt der systematischen Demokratieforschung sollten die in einem Politikfeld bzw. Infrastrukturbereich vorhandenen gesellschaftlichen Probleme gewählt werden, so wie sie in der Bevölkerung wahrgenommen werden (die FIDES-Mitgliederversammlung soll hierzu jährlich über die gewünschten Forschungsschwerpunkte beschließen). Zu den bislang bearbeiteten Forschungsschwerpunkten vgl. Homepage FIDES.

Grundprinzip einer derartigen Demokratieforschung ist damit die ganzheitliche wissenschaftliche Betrachtung eines Politikfelds bzw. Infrastrukturbereichs (z.B. Bundesfernstraßen) und der hierzu gesellschaftlich wahrgenommenen Probleme (= Steuerungsprobleme aus Sicht des politischen Managements), die unabhängig von wissenschaftlichen Fachdisziplinen, also disziplinübergreifend zu lösen bzw. zu vermindern sind.[1] Vgl. Marettek 2013, Wirksames Management für öffentliche Einrichtungen, S. 129ff.

Unser Institut will systematisch diese Steuerungsprobleme des politischen Managements nach den Grundsätzen der empirischen Managementforschung erforschen. In einer parlamentarischen Demokratie haben die Steuerungsprobleme des Spitzenpolitiker immer auch etwas mit den gesellschaftlichen Herausforderungen aus Sicht der Bürger zu tun – sind aber nicht deckungsgleich. In jedem Fall können diese Steuerungsprobleme in einer offenen Gesellschaft auch durch die Bürger beobachtet werden.

Im Projekt „Sauber führen“ geht es jetzt um die gesellschaftliche Problematik, dass in unserer Leistungsgesellschaft die Grundsätze guter (= verantwortungsbewusster und erfolgversprechender) Führung immer noch nicht weit genug verbreitet bzw. bekannt sind. Dies gilt sowohl für gewerbliche Unternehmen aller Größenordnungen wie für öffentliche Verwaltungen – aber auch für die Ehrenämter in den Sportvereinen oder Kirchen.

Leider entsteht bei ganz vielen Bürgern deshalb immer wieder unnötiger Frust, wenn Führung „mal wieder“ misslingt – wenn sich Menschen in unnötigen Konflikten verschleißen. Im schlimmsten Fall – leider nicht so selten – trägt sie sogar dazu bei, dass der Krankenstand steigt – bzw. sich der Anteil der psychisch bedingten Erkrankungen erhöht.


Wissenschaftstheoretische Einordnung

Marettek folgt aus wissenschaftstheoretischer Sicht damit u.a. Georg von Schreyögg, der die Betriebswirtschaftslehre nicht als eine angewandte Wissenschaft, sondern als eine praktische Wissenschaft versteht, deren Ausgangspunkt konkrete praktische Steuerungsprobleme sind.

Schreyögg definiert die Betriebswirtschaftslehre als sozialwissenschaftliche Problemlösungswissenschaft – wissenschaftstheoretisch begründet durch den „philosophischen Pragmatismus“ (vgl. Schreyögg 2007, Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre: zwischen Integration und Zerfall, in: Zukunftsperspektiven der Betriebswirtschaftslehre, 75 Jahre Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaftslehre e. V., hrsg. von Börsig und Herzig, S. 1-26).

Forschung zwischen Politikwissenschaft, Psychologie, Soziologie und Betriebswirtschaftslehre

Das Forschungsinstitut Demokratiereform wurde u.a. gegründet, weil zu den oben genannten gesellschaftlichen Herausforderungen bislang erstaunlich wenig systematische Forschung erfolgt. Vgl. hierzu die aktuelle Studie des Wissenschaftsrats sowie ergänzend die fachdisziplinäre Einordnung von Marettek 2013 – Wirksames Management für öffentliche Einrichtungen_auszug S 138-173.

[1] Der Begriff „disziplinübergreifend“ wird im Sinne des von Mittelstraß geprägten Begriff „transdisziplinär“ verwendet. Transdisziplinarität kann im Sinne von Mittelstraß als eine Forschung verstanden werden, „die sich aus ihren disziplinären Grenzen löst, die ihre Probleme disziplinübergreifend definiert und disziplinunabhängig löst“. siehe Mittelstraß 1998, Die Häuser des Wissens. Wissenschaftstheoretische Studien, S. 44f.; Mittelstraß 2012, Transdisziplinarität oder von der schwachen zur starken Interdisziplinarität, in: Gegenworte: Hefte für den Disput über Wissen, 28, S. 11 – 13.

 

 


Wissenschaftsgläubigkeit? (Interview mit Dr. Marettek)

Zu der Frage, ob FIDES eine Wissenschaftsgläubigkeit unterstützt, führte kürzlich…

der FIDES-Azubi Manuel Hipfel

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ein Interview mit Dr. Christian Marettek (FIDES-Leiter).

Hier Auszüge.

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Frage: Wie ist das denn nun mit der Wissenschaftsgläubigkeit?

Marettek:

„Die Frage ist sicherlich berechtigt, weil wir als Verein uns bewusst an den anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen der DFG bzw. des Wissenschaftsrats orientieren. Das steht so in der Satzung, obwohl die Vereinsgründer engagierte Christen sind – und Wissenschaftsgläubigkeit für Christen grundsätzlich fragwürdig ist.

Daher beantworte ich die Frage mit einem klaren Nein! Wir sind bestimmt nicht wissenschaftsgläubig.

An anderer Stelle habe ich die m.E. existierenden Grenzen jeder Wissenschaft skizziert.“

Frage: Warum also dieser Bezug auf die Wissenschaft in unserer Satzung?

Marettek:

„Weil wir die gesellschaftlichen Probleme bewusst sachorientiert erforschen und diskutieren wollen. Für diese bewusst sachorientierte Forschung existieren nun einmal nur die wissenschaftlichen Standards als gesellschaftlich anerkannte Standards.

Hintergrund ist der Wunsch, dass wir als Christen mit dieser ehrlichen Sachorientierung mit gutem Beispiel vorangehen wollen (und eben nicht Interessenvertretung der Christen machen wollen).“

Frage: Wenn man Deine Wissenschaftskritik liest, dann stellt sich aber umgekehrt auch die Frage: lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?

Marettek:

„Darüber denke ich auch immer wieder nach – und schwanke manchmal durchaus, bei der Frage, ob man mit Wissenschaft überhaupt was Sinnvolles erreichen kann.

Im Kern bin ich jedoch der Auffassung, dass der zweistufige Forschungsprozess, den FIDES gewählt hat – vereinfachend gesagt – eine wirklich zukunftsfähige Lösung darstellt:

  • im Hintergrund wissenschaftlich soviel Stellungnahmen auswerten wie möglich (dies im Internet nachweisen)
  • für die gesellschaftlich interessierte Öffentlichkeit aber allgemeinverständliche, möglichst humorvolle Buchformen entwickeln (z.B. das Projekt „Sauberfuehren“)

Frage: Kannst Du das nochmal etwas begründen, Du hast immerhin schon an neun Büchern mitgeschrieben?

Marettek:

„Was wäre denn die Alternative? Wir würden z.B. beim aktuellen FIDES-Buchprojekt „Sauberführen“ die ganze Literatur ignorieren – was m.E. arrogant wäre bzw. dem Liebesgebot widersprechen würde.

Und es gibt dazu noch etwas Grundsätzliches anzufügen: nach meiner Erfahrung ist Wissenschaft ein typisches menschliches Instrument. Es kommt darauf an, mit welcher Einstellung man an die Forschung und die Publikation „ran geht“.

Ich habe immer – neben der Beratung – praxisorientiert forschen wollen. Trotzdem ist mir keinesfalls jedes Buch bzw. jeder Artikel rückblickend gelungen!

Immer dann, wenn mir die richtige Demut – auch nur zeitweise – fehlte (wenn ich mir also was auf meine Erkenntnisse eingebildet hatte), war das Buch oder der Text ein Misserfolg (weil ich irgendetwas Wichtiges aus Lesersicht übersehen hatte!). Gutes Beispiel: das letzte Buch für den Haufe-Verlag, das die erste empirische Analyse der vorliegenden doppischen Kommunalhaushalte beinhaltete. Ich war in gewisser Weise in meine Empirik „verliebt“ und übersah, dass die mehreren hundert Seiten einfach den Leser erschlugen – bevor ich überhaupt meine Kompetenz zeigen konnte.

Ich habe daraus gelernt. Das folgende Buch „Wirksames Management für öffentliche Einrichtungen“ (2013) hatte bereits die oben skizzierte Zweiteilung der FIDES-Konzeption: Der allgemeinverständliche Hauptteil (angereichert mit humorvollen Fallstudien) über Führungsprobleme im öffentlichen Bereich hat dazu geführt, dass die FAZ 19.08.2013 das Buch auf der BWL-Seite rezensierte mit „… plausibel, erfrischend neu und praxisnah“ (das wissenschaftliche Material war in diesem Buch in den Anhang verlagert worden).

Fazit: die wissenschaftliche Konzeption FIDES basiert auf umfangreichen Erfahrungen aus anderen Projekten!

(auf der Liste der Veröffentlichungen habe ich weitere „Lessons Learnt“ bemerkt).“

Frage: Kannst Du Deine Motivation noch einmal knapp zusammen fassen? Was ist die richtige Einstellung zum Büchermachen?

Marettek:

„Mein Motto für weitere Projekte: bei jedem Buchprojekt demütig bleiben und theologisch gesprochen (1. Johannes 4) so stark wie möglich „in der Liebe leben“ – und sich kontinuierlich leserorientiert hinterfragen (mit einem liebevollen Blick auf die Welt!) – deshalb auch die Gruppenarbeit bei FIDES!

Unter diesen Voraussetzungen können hoffentlich Bücher entstehen, die Herzen bewegen. Dann haben sowohl originäre Wissenschaft – wie abgeleitete Publizistik – eine Existenzberechtigung. Dann kann auch aus Wissenschaft die eigentlich nötige Weisheit entstehen (nach der man bekanntlich seit Salomon streben sollte).

Umgekehrt: wenn man nichts mehr publizieren würde, würde man die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Problemen m.E. weitgehend aufgeben. Hierfür gilt dann auch das Bonmots von Erich Kästner: Es gibt nichts Gutes, es sei denn man tut es.“